Wacken auf Russisch

Am 8. Juni hat in der Nähe von Samara einmal mehr Europas größtes Festival Rock nad Wolgoj (Рок над Волгой) stattgefunden. Die diesjährige Version hat alle Rekorde gesprengt. Knapp 700.000 Musikbegeisterte aus ganz Russland und Europa sind zusammengekommen, um russischen Rock zu feiern und die spektakuläre Live-Show der deutschen Band Rammstein zu sehen.

Die Stadt Samara an der Wolga ist bereits seit 2009 Russlands Mekka der Rockmusik. Kamen im Jahre 2009 167.000 Besucher, so waren es bei der fünften Ausgabe in diesem Jahr bereits 691.000. Da erscheint im Vergleich dazu Deutschlands größtes Open-Air-Festival Wacken Open Air mit seinen 85.000 Besuchern lächerlich klein. Grund für die enormen Besucherzahlen ist wohl auch die Tatsache, dass der Eintritt kostenlos ist. Es wird von der russischen Regierung aus Anlass des Tages Russlands veranstaltet.

Darüber hinaus bezieht das Festival seine hohe Attraktivität aus dem großartigen Line Up mit vielen sehr populären russischen und internationalen Rockkünstlern. Dabei gibt es Bands, die regelmäßig bei dem Festival auftreten. Dazu gehören zum Beispiel die russischen Rock-Urgesteine Alisa (Алиса) und die Band Aquarium (Аквариум), die als Pionier der russischen Rockmusik gilt und schon seit den 70ern aktiv ist. Auch die aus Ufa stammende Band DDT (ДДТ) ist schon zwei Mal bei Rock nad Wolgoj aufgetreten.

Als Headliner wird jedes Jahr eine international bekannte Band verpflichtet. Nach Deep Purple im Jahre 2011 und Limp Bizkit 2012 gelang es den Veranstaltern, für die diesjährige Ausgabe des Festivals die deutsche Rockband Rammstein zu verpflichten. Für die beiden in Ufa lebenden Reporter Pascal und David die Gelegenheit, diese Band, um die es in den letzten Jahren einen enormen Hype gab, endlich auch einmal selbst zu sehen. Eintrittskarten für ein Rammsteinkonzert in Deutschland sind heiß begehrt und können gut und gerne bis zu 100 Euro kosten. Da kann man sich glücklich schätzen, dass die Band sich die Mühe macht nach Samara zu kommen, um auf einem eintrittsfreien Festival zu spielen.

Das Festivalgelände auf einer großen Grünfläche in der Nähe Samaras wurde offiziell um 9:30 geöffnet. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren viele Besucher angekommen und die parkenden Busse schienen eine endlos lange Reihe zu bilden. Auch der für private Autos ausgewiesene Parkplatz war bereits gegen Mittag überfüllt. Die erste Band mit Namen Mordor (Мордор) fing um 12 Uhr an zu spielen. Unter der sengenden Mittagssonne versammelten sich treue Fans, um ihre Band zu sehen und zu hören. Doch erst im Laufe des Nachmittags strömten die Menschenmassen zur Bühne, die extra für den diesjährigen Rammstein-Aufritt auf 21 Meter Höhe und 60 Meter Breite vergrößert worden ist. Einen ersten Höhepunkt stellte gegen 15 Uhr die Alternative-Rock-Band Tschisch i Ko (Чиж и Ко) dar, bei deren bekannten Songs Fantom (Фантом – Das Phantom) oder O Lubwi (О любви – Von der Liebe) nahezu jeder Festivalbesucher mitsingen konnte. Weiter ging es mit den Gruppen Piknik (Пикник), Aquarium (Аквариум)und Kipelov (Кипелов). Als danach Alisa (Алиса) auf die Bühne kam und die inoffizielle Hymne des russischen Rocks „Ja swaboden“ (Я Свободен) – auf Deutsch „Ich bin frei“ – anstimmte, stand die gesamte Menge und sang feierlich mit als sei es die russische Nationalhymne. 

Für halb zehn am Abend schließlich war der Auftritt von Rammstein geplant. Die Rockband ist in Russland außerordentlich populär. Fast jeder Russe hat schon von dieser Band gehört und kennt zumindest den einen oder anderen Song. Deswegen kommt die Band auch immer wieder gerne in das riesige Land im Osten. Sänger Till Lindemann sagte in einem Interview einmal: „Bei den Russen ist es so, da merkt man eine verloren gegangene Energie, die zurückkommt. Man merkt den Mangel an Events überhaupt, an Konzerten, an kulturellen Höhepunkten. Die flippen da so aus, das ist so angestaut. Das ist auch relativ aggressiv, man merkt das. Aber das ist eine gute Energie. Es macht Spaß, da zu spielen.“

Die Baschkirienheute-Reporter Pascal und David konnten es sich natürlich nicht entgehen lassen, schon zu Beginn ganz vorne zu stehen. Denn wann bekommt man schon die Chance, ein Rammsteinkonzert kostenlos zu sehen. So begannen die beiden Unerschrockenen die Menschenmassen in Richtung Bühne zu durchqueren.  Nach einiger Zeit verloren sie sich aber aus den Augen und setzten ihren Weg getrennt voneinander fort. Und kamen ihrem Ziel dabei immer näher. Der ersten Reihe. Pascal war noch circa 30 Meter von der Bühne entfernt, als alle Scheinwerfer erloschen und die Menge ruhiger wurde. Mehr und mehr Menschen begannen, nach Rammstein zu schreien. David vernahm die Stimme einer hysterischen Russin, die immer wieder auf Deutsch bis fünf zählte und dann den Bandnamen Rammstein brüllte. Doch vergaß sie beim Zählen die vier. Überhaupt war es amüsant, den russischen Festivalbesuchern dabei zuzuhören, wie sie versuchten, die deutschen Songtexte mitzusingen. Aus dem Imperativ „Bück dich“ wurde dann etwa ein stark russisches angehauchtes „Bjuck dych“. Pascal ging immer weiter nach vorn, was langsam schwieriger wurde, da die Menschen begannen zu springen und zu schubsen. Die Bühne war mit einem dunklen schwarzen Vorhang verhüllt.

Ganz plötzlich begann die Performance mit einem Schlagzeug-Solo, zu dem beeindruckende Pyro-Effekte eingesetzt wurden. Nach und nach setzten immer mehr Instrumente in das Intro des bekannten Songs „Rammstein“ ein. Nachdem der Vorhang fiel, wurde Till Lindemann mit Hilfe eines Lifts auf die Bühne herunter gelassen. Er trug einen schwarzen Lederanzug in Kombination mit einer rosa Pelzjacke. Bevor er anfing zu singen, starrte er einen Moment lang über die riesige Menschenmenge, was die Meute ausrasten ließ. Pascal versuchte immer weiter nach vorne zu gelangen. Unterwegs wurden an ihm Menschen mit Schwächeanfällen vorbei getragen. Endlich gelang ihm das schier Unmögliche. Er war in der ersten Reihe angekommen, wurde aber gleich darauf von den Flammenwerfern erst einmal wieder einen halben Meter zurückgedrängt. Rammstein begann mit der Performance ihres bekannten Songs „Feuerfrei“. In den ersten Reihen war es nicht mehr möglich zu stehen. Alle sprangen wie wild hin und her. Rammstein gab eine Zugabe von drei Songs und beendete das Konzert mit ihrem Song „Sonne“, bei dem sie mit den Scheinwerfern das Gelände taghell erleuchteten. Nach dem Ende dieses letzten Liedes mischten sich die beiden Reporter unter den Menschenstrom und machten sie auf in Richtung Bus. Dabei wurden sie von einem großen Abschlussfeuerwerk überrascht, das mehrere Minuten andauerte.

Rammstein in Melbourne 2011 (Quelle: Wikimedia Commons)

Nicht nur David und Pascal waren von dem Festival begeistert. Für Rodion, einen 18-Jährigen Informatikstudenten aus Ufa, ist mit dem Besuch des Festivals ein Traum in Erfüllung gegangen. „Die Feuershow von Rammstein war abgefahren!“, sagt er. „Nur organisatorisch gab es ein paar Probleme. Zum Beispiel gab es für die ganzen Menschenmassen viel zu wenige Toiletten, sodass man teilweise eine halbe Stunde lang anstehen musste.“ Ganz allgemein war die Organisation jedoch sehr gut. Bis auf die festivalüblichen Probleme wie der eben erwähnte Mangel an Toiletten, die relativ schlechte Verkehrsanbindung, die nach dem Event zu stundenlangen Staus führte, und ein komplett überlastetes Handynetz verlief das Festival reibungslos. Ein massives Polizeiaufgebot sorgte für Ordnung, den ganzen Tag über patrouillierten berittene Polizisten entlang dem Festivalgelände. Wer das eigentliche Gelände betreten wollte, musste sich einer eingehenden Leibesvisitation unterziehen. Während des Festivals aber war von der Polizei wenig zu sehen und man konnte die Musik unbeschwert genießen. In unserem bisherigen Freiwilligendienst war dieser Tag einer der aufregendsten und wir werden ihn wahrscheinlich nicht so schnell vergessen.

David Witkowski, Pascal Hellfritsch

Juni 2013

Deutscher als die Deutschen

Wie jedes Jahr hat auch in diesem Jahr in Ufa einmal mehr die Deutsche Woche (01.04.-05.04.) stattgefunden. Mit vielen verschiedenen Veranstaltungen, Workshops und Seminaren ist die deutsche Sprache gelehrt und gefeiert worden. Doch damit nicht genug – eine Woche später rückte die deutsche Sprache erneut in den Mittelpunkt des Ufaer Kulturgeschehens. Mit den Tagen der Deutschen Kultur (15.04.-19.04.) ist diesmal der Schwerpunkt auf Film und Musik gesetzt worden. Viel Werbung also für die Sprache von Goethe und Schiller.

Die Deutsche Woche in Baschkortostan ist im Veranstaltungskalender der Stadt Ufa schon eine echte Tradition. Seit 2004 wird jedes Jahr aufs Neue die deutsche Sprache in der Region gefeiert, wobei zeitgleich für die Sprache Werbung gemacht werden soll. Denn Deutsch ist bei Schülern und Eltern immer weniger beliebt. Viele sind der Überzeugung, dass Englisch vollkommen ausreichend ist. Dem halten Deutschphilologen entgegen, dass Deutsch in der heutigen Welt zwar kein Muss, aber ein großes Plus ist.

In Ufa gibt es kein Pendant zur Deutschen Woche, etwa englische oder französische Kulturtage. Dies unterstreicht die einzigartige Wertschätzung der deutschen Kultur in der Republik Baschkortostan. Das Besondere in diesem Jahr war, dass die beiden Hauptorganisatoren der Deutschen Woche, der Deutschlehrerverband und der DAAD, aufgrund persönlicher Querelen eigene Wege gingen. So kam es in diesem Jahr zu zwei verschiedenen Veranstaltungswochen.

Die Deutsche Woche wurde vom baschkirischen Deutschlehrerverband organisiert.  Die Vorbereitungen begannen laut Prof. Fijusa Islamowa, Präsidentin des Deutschlehrerverbandes, im Dezember des vergangenen Jahres. Neben Zuschüssen des Goethe-Instituts und Hilfen von Lokalsponsoren wurde die Deutsche Woche auch aus eigenen Mitteln des Verbandes finanziert. Wie jedes Jahr gab es in diesem Jahr wieder einen Gastdozenten aus Deutschland.  Dr. Annegret Müller, Professorin für gesprochene Sprache von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, führte im Laufe der Woche mehrere spannende Workshops zum Thema Rhetorik durch.

Der Schwerpunkt der Deutschen Woche lag eindeutig auf dem wissenschaftlichen Aspekt  der deutschen Sprache. Kurzreferate von Deutschstudenten beleuchteten aktuelle Probleme der deutschen Philologie. An der Wirtschaftsfakultät diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Forschung über die Bedeutung des Deutschen für Wirtschaftsstudenten. Neben einer eintägigen Werbetour für die deutsche Sprache nach Sterlitamak war der Höhepunkt der Woche aber zweifelsohne der Dolmetschwettbewerb am letzten Tag. Acht Studentinnen wollten zeigen, wer die beste Übersetzerin unter ihnen ist. Aufgabe war es, einen dreiminütigen Kurzvortrag eines Muttersprachlers konsekutiv – das heißt Sinneinheit für Sinneinheit – zu übersetzen. Das Themenspektrum reichte dabei von der Wirtschaftskrise in Zypern bis hin zu Tabakkonsum in Deutschland.

Weitere, jedes Jahr wiederkehrende Elemente der Deutschen Woche, wurden dieses Jahr von den Tagen der Deutschen Kultur in Baschkortostan übernommen. Allen voran das stadtbekannte Filmfestival, sowie das deutsche Liederfest. Die „zweite“ deutsche Woche wurde feierlich im Kino „Rodina“ eröffnet. Gleich nach der Eröffnungsveranstaltung wurde der erste von fünf deutschen Filmen gezeigt: „Renn, wenn du kannst“. An den folgenden Abenden wurde in dem Kino jeweils ein anderer Film gespielt. Die Begeisterung der russischen Zuschauer zeigte sich an der stets guten Auslastung des Kinosaals. Die Untertitel zu einigen Filmen wurden von Mitarbeitern des Deutschen Lesesaals in wochenlanger Vorarbeit verfasst.

Höhepunkt der Tage der Deutschen Kultur war das Liederfestival. Aus ganz Baschkortostan waren die Teilnehmer angereist, um deutsche Lieder zu performen. Bei der Gala am Donnerstagabend durften aber nur die Besten auftreten, die bereits bei Vorentscheidungen von der aus DAAD-Lektoren bestehenden Jury ausgesucht worden waren. Neben selbstgeschriebenen Songs wurden vor allem herzzerreißende Balladen gesungen. Mit Abstand das beliebteste Lied war „Sonne in der Hand“, die Übersetzung eines russischen Pop-Schlagers. Sogar der deutsche Botschafter aus Moskau, Ulrich Brandenburg, war zum Gala-Abend anwesend und konnte den Gewinnersong „Pariser Tango“ hören. Er war mit einer Wirtschaftsdelegation nach Baschkortostan gekommen.

Abgeschlossen wurden die Tage der deutschen Kultur mit einem Workshop zur deutschen Lyrik. Angelika Schadeck, DAAD-Lektorin in Ufa und Organisatorin der Tage der Deutschen Kultur, zeigte sich im Resümee mit dem Verlauf der Woche sehr zufrieden. Ihre Hauptaufgabe sei es, für den Erhalt der deutschen Sprache in Baschkortostan zu kämpfen. Mit den Kulturtagen sei man einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Ob es im nächsten Jahr wieder eine Kooperation zwischen dem DAAD und dem Deutschlehrerverband geben wird, ist noch nicht bekannt.

David Witkowski

April 2013

Ein Hauch von Winterolympiade

Ufa – Vor einigen Tagen ist die sechste Ausgabe der Internationalen Kinder–Winterspiele in Ufa zu Ende gegangen. Über drei Tage hinweg lieferten sich Kinder und Jugendliche aus aller Welt spannende Wettkämpfe in der baschkirischen Hauptstadt und gaben einen Vorgeschmack auf die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi im Februar nächsten Jahres.

Die Spiele begannen am 27. Februar mit einer feierlichen Zeremonie im Sportpalast. Wegen des allzu großen Andrangs konnten aus Sicherheitsgründen nicht alle interessierten Besucher eingelassen werden. Überhaupt ähnelten die Sicherheitsvorkehrungen jenen an internationalen Flughäfen und wurden von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Die Eröffnungszeremonie wurde mit dem Einlauf aller teilnehmenden Athleten eingeleitet. Daran anschließend hielten der Präsident Baschkortostans, Rustem Charmikow, und der Präsident des Komitees der Internationalen Kinder-Winterspiele, Thorsten Rasch, die offiziellen Eröffnungsreden, in denen sie sich faire und freundschaftliche Wettkämpfe wünschten.

An den Spielen nahmen insgesamt 642 Athleten aus 20 Ländern im Alter von 12 bis 16 Jahren teil, so viele wie noch nie in der Geschichte der Kinder-Winterspiele. In insgesamt 24 Disziplinen wurde um Edelmetall gerungen. Mit Abstand am erfolgreichsten waren am Ende die Gastgeber: Der Heimvorteil half beim Gewinn von 60 der insgesamt 72 Medaillen. Immerhin ein deutscher Teilnehmer aus Kempten, Kilian Richter, konnte eine Silbermedaille im alpinen Skirennen gewinnen.

Die ersten Internationalen Kinderspiele fanden 1964 im slowenischen Celje statt. Die Intention der Organisatoren war es damals, die Nachkriegsgenerationen der durch den Krieg gebeutelten Länder durch die Teilnahme an diesen Wettkämpfen aneinander näher zu bringen und mithilfe des Sports ein friedliches, freundschaftliches Zusammenleben der Völker Europas zu ermöglichen. Im Jahre 1994 wurden die ersten Winterspiele und zugleich die Sommerspiele erstmalig außerhalb Europas in Kanada ausgetragen. Seit der ersten Ausgabe der Kinder-Spiele gab es 42 Sommer- und 6 Winterspiele.

Im Vorfeld der Spiele in Ufa wurden alle Wettkampfstätten umfassend renoviert und internationalen Standards angepasst. Der Olympik-Park umfasst nun vier Skipisten. Hinzu kamen außerdem vier moderne Schlepplifte, eine Beschneiungsanlage und eine Skischule. Das Sport- und Fitnesscenter, in dem die Biathlon-Wettbewerbe stattfanden, wurde fast von Grund auf neu aufgebaut, da die alte Bausubstanz große Mängel aufwies. Die Renovierungen an der Ufa-Arena begannen schon vor einem Jahr. Im Inneren der Halle wurden die Besucherbereiche, Sitzplätze und die Abstellmöglichkeiten für Eisreinigungsmaschinen renoviert und auf einen modernen  Standard gebracht. Der Sportpalast war wahrscheinlich das aufwändigste Projekt von allen, da dieser nicht allein für die Kinderspiele, sondern auch für die Hockey-Weltmeisterschaft, die zu Beginn des Jahres stattfand, umgebaut wurde.

Auch die Einwohner von Ufa profitierten von den Kinder–Winterspielen in ihrer Heimatstadt. So hatten zum Beispiel zahlreiche junge Freiwillige die Möglichkeit, in Kontakt mit Jugendlichen aus der ganzen Welt zu kommen. Volontäre, die über Fremdsprachenkenntnisse verfügen, wurden für die Betreuung der entsprechenden Delegationen eingeteilt. Jelisaweta Koroljowa, Germanistik–Studentin an der Staatlichen Universität Baschkortostans, war im Akkreditierungs-Team tätig und das war für sie eine sehr „verantwortungsvolle und spannende Aufgabe“.

Die Abschlusszeremonie fand am Abend des 02. März ebenfalls im Sportpalast statt. Zu sehen waren viele verschiedenen Tanzgruppen und Showacts. Nach teilweise ausschweifenden Dankesreden der Organisatoren übergab der Bürgermeister von Ufa die Flagge der Internationalen Kinder-Spiele an die Vertreter der kanadischen Stadt Windsor, in der im August die diesjährigen Internationalen Kinder-Sommerspiele ausgetragen werden.

Auf der finalen Pressekonferenz nach der Abschlusszeremonie zeigte sich Thorsten Ratsch sehr zufrieden mit dem Ablauf des Wettbewerbs. Er sprach sogar von „mit den besten Spielen“ innerhalb der 40 Jahre langen Geschichte des Turniers. Den russischen Verantwortlichen hat die Organisation offenbar überhaupt keine Probleme bereitet. Dann steht der großen Schwester, den Olympischen Winterspielen von Sotschi, ja nichts mehr im Wege!

David Witkowski, Pascal Hellfritsch

März 2013

Ab sofort wieder Neuigkeiten und Hintergrundberichte aus Ufa

Nun ist es so weit. Nach über einem Jahr sind wieder zwei Freiwillige im Auftrag der Freunden Baschkortostans vor Ort in Ufa und berichten in regelmäßigen Abständen von ihren Erlebnissen und Neuigkeiten aus der Hauptstadt Baschkiriens und Umgebung. Als Einstieg in die Artikelserie werden sich die beiden neuen Redakteure aber erst einmal selbst vorstellen.

Pascal Gayá Hellfritsch

Mein Name ist Pascal. Ich werde bis Februar 2014 in Ufa bleiben. Ich komme aus Halle an der Saale. Nach meinem Schulabschluss machte ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker für Land- und Baumaschinen. Mir wurde aber während der Ausbildung bewusst, dass ich diesen Beruf nicht mein Leben lang machen möchte. Deswegen beschloss ich etwas ganz Anderes zu machen, um mir währenddessen klar zu werden, was ich arbeiten möchte. Und so kam es letztendlich dazu, dass ich mich bei den Freunden Baschkortostans für einen EFD beworben habe. Und jetzt bin ich in Ufa.

Die Ankunft aus den Augen Pascals

Wir kamen am 20.02.2013 in Ufa an und sahen aus den Fenstern im Flugzeug zuerst das Russland, was wir uns vorgestellt hatten, “kahl  keine Menschen zu sehen und Wildnis soweit das Auge reicht“. Wir wurden am Flughafen abgeholt und haben unser vorläufiges Quartier bezogen, das ungefähr zwanzig Minuten vom Zentrum entfernt ist. Ufa kann man nicht mit einer deutschen Stadt vergleichen. Alles wirkte auf mich so, als sei hier das reinste Chaos ausgebrochen und alle machen, was sie wollen. Vor allem der Verkehr ist etwas ganz Neues für mich, da man das Gefühl hatte, dass die Russen nie etwas von Spuren, „rechts-vor-links“ oder geschweige denn von roten Ampeln gehört haben. Nach ein paar Tagen jedoch fängt man an, die Ordnung in diesem vermeintlichen Chaos zu erkennen und bemerkt, dass es doch Regeln gibt, an die sich fast alle halten. In den ersten Tagen hatte ich viel damit zu tun, mich an den Tagesablauf zu gewöhnen, was recht schwer war, da ich hier mir den Alltag erst erarbeiten musste.  Außerdem haben David und ich versucht, die Stadt zu erkunden, was uns ohne Sprachkenntnisse recht schwer fiel. Der nächste Schritt war es, uns um unsere Russischkenntnisse zu kümmern. Uns wurde an dem Tag, an dem wir unser Büro das erste Mal besichtigt haben auch unsere Russischlehrerin vorgestellt und wir machten Termine fest für die Nachhilfestunden, damit wir schnellstmöglich russisch lernen. Während der Nachhilfe wird nur russisch gesprochen, was für mich einem Wurf ins kalte Wasser gleicht aber so lerne ich wahrscheinlich auch am schnellsten. In Ufa läuft sehr vieles über Bekanntschaften und Freunde - ob es nun die Wohnungssuche oder alltägliche Probleme sind. Kennt man niemanden, hat man es recht schwer hier Fuß zu fassen. Deshalb sind David und ich sehr glücklich über die viele Hilfe, die wir hier bekommen und auch dankend annehmen. Unser nächster Schritt wird es sein, eine eigene Wohnung zu finden und auf eigenen Beinen zu stehen, um uns endlich einen eigenen Tagesrhythmus anlegen zu können, aber dazu später mehr.

 

David Witkowski

Mein Name ist David Witkowski. Ich werde für sieben Monate in Ufa bleiben, anders als Pascal, der ein ganzes Jahr hier verbringen wird. Und anders als Pascal und die meisten Mitglieder der Freunde Baschkortostans komme ich nicht aus Halle, sondern aus Iserlohn, einer mittelgroßen Stadt in der Nähe von Dortmund. Nach dem Abitur und einem einjährigen Zivildienst in Frankreich habe ich zwei Semester lang in Berlin Physik studiert. Bald merkte ich, dass ich nicht das richtige Fach studiere und entschied, mich umzuorientieren. Nach Praktika in Nizza bei einer Zeitung, in Warschau bei einer politischen Stiftung und einer Südamerikareise bin ich jetzt schließlich in Ufa gelandet.

Was aber trieb mich nach Russland? Von Russland weiß man viel aus Film und Literatur. Es gibt kaum eine Nation, über die so viele Vorurteile im Umlauf sind wie über die der Russen. Diese Vorurteile vor Ort zu hinterfragen und dieses riesige Land kennen zu lernen ist eines meiner Ziele. Beim Flug über Russland wird zumindest schon einmal das vom russischen Winter bestätigt. Schnee und Eis so weit das Auge reicht. Und das reicht weit aus 10.000 Metern Höhe.

Wir sind jedenfalls bereit. Auf ins russische Abenteuer!

Mit Daumen-hoch einmal quer durch Russland – Der Tramp-Ratgeber

Trampen – das heißt nicht nur preisgünstig reisen, sondern vor allem Land und Leute kennenlernen und viele kleine Abenteuer erleben. Die beiden deutschen Autoren von Baschkirienheute haben es gewagt, einmal von der baschkirischen Hauptstadt Ufa bis zum 4000 Kilometer entfernten Baikalsee und zurück zu trampen und sind für ihren Mut mit einer unendlich großen Zahl spannender Erlebnisse und mit einem ganz anderen Einblick in das riesige und traumhaft schöne Russland belohnt worden. Aus ihren Erfahrungen heraus haben sie diesen kleinen Russland-Tramp-Ratgeber verfasst, um allen, die das größte Land Erde auch einmal auf diese außergewöhnliche Weise kennenlernen wollen, eine kleine Starthilfe zu geben.

Die Vorbereitung – Straßenatlas und Toilettenpapier

Bevor es losgeht, ist natürlich eine gewisse Vorbereitung von Nöten. Da trampen allerdings sehr von der Spontanität lebt, von der Fähigkeit, den einmal geschmiedeten Plan ganz schnell umzuwerfen und einer neuen Lage anzupassen, benötigt man keinen zweiwöchigen Vorlauf. Man kann nur sehr schwer vorhersehen, wann und wo man am Abend eines langen Tramptages schlafen wird, denn für Tramper hängen keine Fahrpläne aus. Von Bedeutung ist es deshalb zu wissen, wo man hinwill und wie man dorthin kommt. Außerdem wichtig ist, für den „Notfall“ gerüstet zu sein, für den Fall, dass man sein geplantes Ziel einmal nicht erreicht und die Nacht an einem etwas ausgefalleneren Schlafplatz verbringen muss.
Wichtigstes Hilfsmittel beim Trampen ist daher ein Straßenatlas. Er ist nicht nur unersetzlich, um herauszufinden, wo man gerade ist und wo man hin will. Es kommt auch eher selten vor, dass man von einem Autofahrer, der anhält gleich bis zum geplanten Zielort mitgenommen wird. Stattdessen heißt es oft „umsteigen“. Man wird beispielweise nur bis zur nächsten Kleinstadt mitgenommen und muss dort auf eine neue Mitfahrgelegenheit warten. Natürlich kennt man als Ortsunkundiger nicht jedes Dorf und jedes Städtchen auf dem Weg zum Ziel. So ist es von Vorteil, wenn man auf der Straßenkarte nachsehen kann, ob eine Mitfahrgelegenheit wirklich weiterhilft, oder ob das Auto 10 km weiter in den Wald abbiegen wird. Gut geeignet fürs Trampen ist der Автоатлас России (Autoatlas Russland). Er ist in vielen größeren Buchläden erhältlich und enthält neben Verzeichnis der Tankstellen auch alle Polizeistationen entlang der großen Trassen.

Zur Verpflegung: Angst vor dem Verhungern ist unnötig. An den Fernstraßen gibt es genügend gute und günstige Cafés. Trotzdem sollte man sich haltbare Lebensmittel (v.a. ausreichend Wasser) mit auf den Weg nehmen, falls man bis zum Abend sein Ziel nicht erreicht hat und irgendwo spontan übernachten muss.
Auch Toiletten sind immer vorhanden. Allerdings muss man sich in abgelegenen Gegenden mit einer „Bio-Toilette“ – also einem einfachen Plumpsklo – zufrieden geben. Es ist von Vorteil, immer eine kleine Rolle Toilettenpapier und eine Packung Feuchttücher dabeizuhaben.

Los geht’s – „Nehmen Sie mich mit auf die Reise?“

Der Ausgangspunkt sollte gut gewählt sein. Da es Innerorts üblich ist, dafür zu bezahlen, wenn man im Auto mitgenommen wird (Schwarztaxi), eignet sich als Startpunkt für eine Trampfahrt zu einer anderen Stadt vor allem der Stadtrand. Zu empfehlen sind Stellen kurz hinter den Auffahrten auf Fernstraßen, Tankstellen und DPS-Stationen (Verkehrspolizei), weil die Autofahrer hier relativ langsam vorbei fahren und daher öfter geneigt sind, anzuhalten. Achten sie darauf, dass ein Seitenstreifen zum Anhalten vorhanden ist. Eine weitere Möglichkeit ist es, Fahrer an Tankstellen direkt anzusprechen. Für einen ersten Kontaktversuch eignet sich der freundliche Satz: „По пути не возмёте?“ (Aussprache: Pa puti nje vazmjote? zu Deutsch etwa: Nehmen Sie mich mit auf die Reise?) Generell ist es eine große Herausforderung, in einer unbekannten Region einen guten Anfangspunkt zu finden und dann auch noch den Weg aus der Stadt heraus zu dieser Stelle in Erfahrung zu bringen. Der Kontakt zu Einheimischen ist dafür unbedingt notwendig. Ohne russische Sprachkenntnisse sollte man deshalb auf das Trampen in Russland eher verzichten!

Mädchen- und Ausländerbonus

Für Frauen und Pärchen ist es grundsätzlich leichter mitgenommen zu werden als für einzelne oder mehrere Männer. Aber teilweise auch gefährlich. Nicht immer hält ein Fahrer ohne Hintergedanken an. Deswegen sollte man sich als Frau lieber in männlicher Begleitung bewegen. Einzelne Männer wirken im ersten Augenblick auf den Fahrer eher weniger vertrauensvoll als ein Pärchen.

Als Ausländer genießt man in Russland häufig eine Art Sonderbehandlung – im positiven Sinne. Gerade wenn ein Fahrer anfangs vielleicht noch abgeneigt war, den Tramper mitzunehmen – ein fremdländischer Akzent und ein großes Lächeln wirken wahre Wunder. Die ausländische Herkunft des Trampers verspricht schließlich ein interessantes Gespräch und irgendwie scheint man als Alien auch vertrauenswürdiger zu wirken als einheimische Tramper.

Abend- & Nachtfahrten

Prinzipiell ist es ab der Dämmerung sehr schwer ein Auto anzuhalten. Nachts sind deutlich weniger Autos unterwegs und der Tramper ist am Straßenrand nur noch schwer zu erkennen. Und selbst wenn er noch gut zu sehen ist – welcher geistig einigermaßen gesunde Mensch hält nachts im Dunkeln an, um einen Wildfremden mitzunehmen? Viele Truck- & LKW-Fahrer nehmen aber gerne Unterhaltung gegen aufkommende Müdigkeit mit durch die Nacht. Eine solche Mitfahrgelegenheit sollte man sich dann jedoch bereits vor Sonnenuntergang beschaffen.

Truckfahren

Die Aussicht aus einem riesigen Truckfenster ist traumhaft, wenn auch oft durch eine gerissene Windschutzscheibe getrübt. Die Elefanten der Straße bewegen sich meist nur mit 80 – 120km/h vorwärts. Trotzdem nehmen einen die Fahrer längere Strecken mit. Allerdings eignet sich das LKW-Trampen nur für Einzelpersonen, da im Gefährt nur ein Beifahrersitz vorhanden ist. Prinzipiell ist es zwar auch möglich zwei Mitfahrer aufzunehmen, von denen dann einer im hinteren Bereich der Kabine auf einer Liege schmoren muss, legal ist es aber nicht. Truckfahrer halten fast nie am Straßenrand an, da es viel zu aufwändig und gefährlich wäre, ihren schwer beladenen Truck auf dem Seitenstreifen zu parken. Deswegen sollten die Fahrer gezielt an einer Stojanka (Raststätte) oder im Café angesprochen werden. Orientieren Sie sich an den Gebietskennzahlen auf den Nummernschildern der Trucks! Auf jedem russischen KFZ-Kennzeichen ist in der oberen rechten Ecke eine zwei- oder dreistellige Nummernkombination zu finden, die Auskunft darüber gibt, aus welchem Gebiet das Fahrzeug stammt. Eine Liste dieser Nummern finden sie hier.

Allgemein betrachtet halten definitiv mehr alte und verrostete Karren mit älteren Herren am Lenkrad. Einzelnen Frauen ist es oft zu unheimlich, Fremde mitzunehmen. Neureiche Schönlinge in großen Luxuswagen sind sich meist zu toll für selbstlose Hilfe. Allerdings sollte man sich von solchen Vorurteilen nicht täuschen lassen. Nicht immer machen Autos Leute…

Übernachtung

Nicht überall in Russland trifft das Vorurteil der über die Straße laufenden Bären zu. In Sibirien jedoch könnte man tatsächlich das eine oder andere Mal auf einen Grizzly stoßen. Dementsprechend ist vom freien Zelten am Straßenrand oder im Wald dringend abzuraten. Stattdessen empfiehlt es sich, sich vor Reiseantritt bei www.couchsurfing.org zu registrieren und sich Ankerpunkte zu suchen – größere Städte, in denen man leicht eine private Übernachtungsmöglichkeit findet. Der Russe im Allgemeinen ist recht spontan und gastfreundlich, vor allem zu Ausländern. Selbst eine kurzfristig versandte Anfrage nach Übernachtung wird meist positiv beantwortet. Das Couchsurfen bietet einige großartige Vorteile: kostenlose Übernachtung meist mit Verpflegung und Stadtführung inklusive, Kontakt zu Einheimischen und Hilfestellung bei der Planung der nächsten Route. (Der Anlaufpunkt zum Lostrampen außerhalb der Stadt ist meist ohne kompetente Hilfe schwer zu finden!)
Sollte kurzfristig keine Couchsurfingübernachtung mehr aufzutreiben sein, beziehungsweise eine spontane Planänderung eine Sofortübernachtung erfordern, bietet es sich an, Truckfahrer an einer Stojanka oder im Café anzusprechen. Nette Fahrer bieten einem Hilfesuchenden Unterschlupf in der großen Kabine. Auch hierbei macht sich der Ausländerbonus bezahlt!

Umsteigen

Von Stopps irgendwo im Nirgendwo kurz hinter Vorderposemukkel ist dringend abzuraten! Lieber sollte man sich bis zur nächsten großen Stojanka bringen lassen, um einen weiteren Anlaufpunkt zum Ansprechen zu haben. Aus kleinen Dörfern ist schwer rauszukommen, da viele Fahrer meist nur bis in den nächsten Ort fahren. Sollte man sich doch in einem kleinen Dorf befinden, eher bis hinters Ortschild gehen oder fahren lassen, um den Abbiegern zur nächsten Siedlung aus dem Weg zu gehen, die zwar sehr freundlich in großer Zahl anhalten, aber dem Ferntramper kein Bisschen weiterhelfen.

Verhalten im Auto

Dass man sich in fremden Autos anständig und ordentlich verhält, versteht sich eigentlich von selbst. Dieser Aspekt ist beim Trampen allerdings besonders wichtig, weil man von der Person, die einen mitnimmt, und ihrem guten Willen sehr abhängig ist. Hat der Fahrer aus irgendeinem Grund die Nase voll von seinem Mitfahrer, kann er ihn ohne weiteres einfach rausschmeißen und auf die Straße setzten, auch mitten im Nirgendwo. Der Tramper hat dann das Nachsehen. Und noch einen Vorteil hat anständiges Benehmen. Hält man den Fahrer bei Laune, dann bringt er einen am Zielort vielleicht sogar bis vor die Haustür, nimmt sich noch Zeit für eine kleine Stadtrundfahrt oder lädt einen an der nächsten Raststätte zum Mittag ein. Also nicht einschlafen, laut schnarchen und hinterher mit dem kleinen Kekssnack das ganze Auto vollkrümeln! Stattdessen ist es ratsam ein Gespräch zu beginnen und die Atmosphäre ein wenig zu lockern. Man kann den Fahrer zum Beispiel in seine weiteren Reisepläne einweihen und ihn zur weiteren Strecke oder guten Lostrampstellen befragen.

Top 10 Tipps und Tricks fürs Trampen

  1. Russische Sprachkenntnisse unbedingt von Nöten!
  2. Immer eine gute Autokarte dabeihaben, in der auch Tankstellen, Raststätten und Polizeistationen verzeichnet sind.
  3. Entfernungen bis etwa 1000 km pro Tag sind realistisch, viel mehr allerdings nicht.
  4. Kennzeichennummer des Zielortes kennen, um gezielt bei Fahrern fragen zu können.
  5. Ortsnamenschilderschreiben sinnlos! Wenn man schon unbedingt ein Pappschild hochhalten möchte, dann sollte man die Kennzeichennummer des Zielortes darauf schreiben.
  6. LKW-Fahrer lassen sich gerne mal bequatschen und mit kleinen Souvenirs (deutscher Kaffee, ein kleines Fläschchen Alkohol…) überzeugen.
  7. Viele Truckfahrer wirken am Anfang sehr verknittert und unfreundlich. Reden hilft! Der erste Eindruck täuscht meistens. Auch wenn es keine Möglichkeit gibt, den Tramper mitzunehmen haben die Fahrer meistens trotzdem einen guten Ratschlag.
  8. Couchsurfing connecting people! Wer seinen erlebnisreichen Tag am Abend gerne mit einem guten Gespräch bei einer fremden Übernachtungsmöglichkeit abrunden will, sollte Couchsurfer werden.
  9. Wasserflasche und ein paar Energie-Schokoriegel immer in der Tasche haben.
  10. Immer einen Notgroschen einstecken haben. Wer weiß…Falls man einmal überhaupt nicht mehr weiterkommt, kann man den Bus nehmen oder auch Autofahrern etwas Geld anbieten.

„Trampmanns Heil“ für alle Abenteuerlustigen von der Baschkirienheute- Redaktion

Julia Hoppe, Tobias König
Juli 2010

Die Deutschen Tage in Ufa – ein Fest für Deutschland in Baschkortostan!

Die „Deutschen Tage in russischen Regionen“ sind eine Tradition, die aus dem deutschen Kulturjahr 2004 in Russland hervorgegangen sind und sich mittlerweile zu einer wichtigen Tradition etabliert haben. Ziel der Kulturbegegnung ist es, einen Einblick in die deutsche Kultur zu geben, sowie Austausch und Verständigung zwischen den beiden Völkern voranzutreiben. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Vorstellung und Unterstützung der Personen, Organisationen und Institutionen gelegt, die sich besonders für die Förderung der deutschen Sprache und der deutsch- russischen Beziehungen einsetzen. Die zahlreichen Veranstaltungen während der Deutschen Woche sollen ein facettenreiches Deutschlandbild vermitteln und unter anderem auch die Jugend an der deutschen Sprache interessieren.

Vom 12. – 17. April fand die „Deutsche Woche 2010“ in Ufa statt. Verschiedene Wettbewerbe, Konferenzen, Ausstellungen, Konzerte und die deutsche Filmwoche sprachen ein breites Publikum an. Organisiert wurden die Veranstaltungen vom Deutschlehrerverband der Republik Baschkortostan.

Einige Wettbewerbe und Festivals bereiteten schon im Vorfeld auf die Deutsche Woche vor. Unter anderem bot das Kindertheaterfestival in der Schule 86 am 08.04.2010 einen ersten Einblick in die Deutschkenntnisse der baschkirischen Schüler. Schülertheatergruppen aus ganz Baschkortostan präsentierten ihre deutschen Theaterstücke, darunter unter anderem lyrische Werke wie den Erlkönig und Märchen. Deutsche Gäste saßen dabei erstmals in der Jury und setzten sich mit dem Prinzip des russischen Wettbewerbs auseinander. Denn in Russland ist jeder Teilnehmer ein Gewinner und soll mit einem Zertifikat zur Motivation am Deutschlernen ausgezeichnet werden.

Am Montag, den 10.04. fand die feierliche Eröffnung der Deutschen Woche statt. Die Gewinner der ausgeschriebenen Wettbewerbe wurden ausgezeichnet, sowie sehr engagierte Deutschlehrer geehrt. Eine wissenschaftlich-praktische Konferenz bot beim praktischen Seminar Einblicke zu „Aktuellen Fragen des DaF-Unterrichts - Moderne Methoden und Technologien“. Umrahmt wurde das ganze durch ein Konzert- und Theaterprogramm der Deutschschüler und Studenten der philologischen Fakultäten Ufas.
Am Nachmittag eröffnete man die Fotoausstellung „Der Schwarzwald“, die bis zum 30.04.2010 weiterhin im Deutschen Lesesaal zu betrachten war.

Um 18 Uhr begann die feierliche Eröffnung des deutschen Filmfestivals im Kino Rodina. Mit einem reichhaltigen Büffet und Sekt, kleinen Ansprachen und einem Filmquiz zum deutsch- türkischen Regisseur Fatih Akin wurde das Festival unterhaltsam eingeleitet. Als erster Film der abendlichen Kinovorstellungen im Rahmen der Deutschen Woche wurde der italienisch- deutsche Streifen „Solino“ gezeigt. Eine sehr gelungene Eröffnung und adäquate Kinopreise lockten im Laufe der Woche zahlreiche Besucher in das Lichtspielhaus. Im fast immer vollen Kinosaal gab es die Filme „Solino“, „Kurz und schmerzlos“, „Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“, sowie „Crossing the bridge“ zu sehen, alle unter Regie von Fatih Akin entstanden.

Am Folgetag, den 11.04. fand im Kulturpalast Orion das Schülerliederfestival statt. Schüler und Schülerkollektive aus verschiedenen Schulen in der Republik reisten früh am Morgen an und intonieren deutsche Pop- und Volkslieder auf der Bühne. Es gab sehr unterschiedliche Beiträge: aktuelle deutsche Poplieder fanden viel Anklang und bei einer Schülerband wurde es beim Rammsteincover „Ohne dich“ lauter auf der Bühne. Auch Schlager und Musicals ertönten. Das Lieblingslied der Akteure war eindeutig der Soundtrack „Wer bin ich“ aus dem aktuellen Kinofilm Twilight, der insgesamt sechs Mal erschallte. Auch dieses Mal besetzten die deutschen Gäste die Juryränge mit. Als Preise wurden Ranzen, Rucksäcke und Zertifikate vergeben.

Am Nachmittag ab 15 Uhr fand im Gymnasium 39 der Tag der Deutschen Sprache statt. Unterrichtsprojekte wurden vorgestellt und am Runden Tisch äußerte sich Ehrengast Hans-Ehrenfried Mathé, Vorsitzender der West-Ost-Gesellschaft des Landes Baden-Württemberg e.V. zum Thema „Sitten, Bräuche und Traditionen des deutschen Volkes“. Eine Neuauflage des Schneewittchens, deutsche Lieder und kleine Präsentationen überzeugten beim bunten Rahmenprogramm vom Niveau der Deutschklassen.

Am Mittwoch gab es das Studentenliederfestival in der Baschkirischen Staatlichen Pädagogischen Universität zu erleben. Dieses Mal reisten Studenten aus ganz Baschkortostan an, um am Wettbewerb um das beste Deutsche Lied teilzunehmen. 22 Studentenkollektive performten verschiedenste deutsche Lieder mit nett arrangierten Choreografien und teilweise Computerpräsentationen. Dieses Mal wurde der Fokus auf folgende Bewertungskriterien gelegt: Musikalität, Aussprache & Charisma. Am Ende wurden zwei Grand- Prix- Preise und je zwei erste bis dritte Plätze verliehen. Außerdem wurden acht Sonderplatzierungen für u.a. bester Artist, Charisma, Gold- und Silberstimme, witzigstes Lied und bestes Volkslied vorgenommen.

18 Uhr begann im gleichen Saal das Abschlusskonzert mit den Siegern der letzten zwei Tage, das von der deutschen Corinna Sons organisiert wurde. Der Schüler Danil sang wie ein kleiner Karel Gott im weißen Anzug „Das schönste Weihnachtslied“ sowie „Mackie Messer“ und begeisterte das Publikum. Außerdem erklangen ein Chor, eine Solistin mit Rosenstolz' „Liebe ist alles“ und Michelles Grand- Prix- Schlager „Ein bisschen Frieden“. Den Beginn und Abschluss des Konzertes gestaltete die russisch- deutsche Band „GASTARBAiTERKA – Heleno4ka i rebjata“ aus Moskau und Berlin. Russische Klänge mit deutschen Texten rundeten das Siegerkonzert zur Deutschen Woche ab.

Am nächsten Tag fand parallel zur Gründungskonferenz des Schulverbandes eine Konferenz für Germanistikstudenten statt. Die Studenten bereiteten Vorträge zu verschiedenen Themenbereichen über „Aktuelle Probleme in der deutschen Philologie“ auf und stellten sie einem Lehrerkollegium vor. Auf der Gründungskonferenz hingegen gründete man den Schulverband INTERKIND, bei dem unter anderen alle Universitätsrektoren Ufas und Bildungsminister Mitglied sind.
Am Abend gab die Band „GASTARBAiTERKA“ ein Gastkonzert im Jazzclub der Stadt Ufa.

Einen weiteren Höhepunkt bildete der Dolmetscherwettbewerb am Freitag in der Romano- philologischen Fakultät (FRGF) der Baschkirischen Staatlichen Universität. Um 14 Uhr begann die Veranstaltung, bei der Studenten aus der FRGF und aus Orenburg um den Platz des besten Dolmetschers antraten. Die Jury wurde diesmal von Studenten des 5. Semesters gebildet, die fachkundig die Anwärterinnen bewerteten. Übersetzt wurden 5minütige Beiträge der anwesenden deutschen Gäste, die kleine Referate zu verschiedenen Themen hielten. Es gab Beiträge über Kleidung in Deutschland und Russland, Ausländer in Deutschland und Russland, Kulturschock, Wehrdienst in Deutschland, zweisprachige Kinder und Kochen in Russland. Auf die acht Themen konnten sich die Teilnehmer im Vorfeld sprachlich vorbereiten. Die Veranstaltung wurde sehr gut von Studenten des vierten Semesters organisiert, sodass es durchweg unterhaltsam war. Ein buntes Rahmenprogramm gestaltete Übergänge zwischen den Übersetzungen oder bereitete sie inhaltlich amüsant auf. Präsentiert wurden verschiedene Sketche, Lieder und eine Simultanübersetzung eines Filmes über Baschkortostan.
Die Mischung aus den interessanten Redebeiträgen der Deutschen, sowie des abwechslungsreichen Programms der Studenten ergab eine sehr gelungene Veranstaltung, die einen hervorragenden Ausgang der Deutschen Woche bildete.

Die Abschlussveranstaltung zur Deutschen Woche fand am Samstagnachmittag in Form eines Runden Tisches statt. Es wurde reflektiert und diskutiert. Zum Thema „Deutsch republikweit: Erfahrungen und Perspektiven. Die Zusammenarbeit mit Kulturmittlerorganisationen“ äußerte sich Ehrengast Hans-Ehrenfried Mathé. Außerdem wurden Kurzfilme und das Video-Projekt „Baschkortostan – Deutschland: Brücken der Freundschaft“ der Schule 103 gezeigt. Die gemeinsame Reflexion zeigte auf, dass aus den gegebenen Mitteln und Möglichkeiten eine schöne und erfolgreiche Veranstaltungswoche geschaffen wurde.

Dem Deutschlehrerverband und allen beteiligten Organisatoren ist es auch in diesem Jahr gelungen, ein umfangreiches Angebot für die "Deutsche Woche" auf die Beine zu stellen. Durch verschiedene Aktionen und Höhepunkte konnte ein guter Einblick in die Entwicklung der deutschen Sprache in Baschkortostan vermittelt werden. Der interkulturelle Dialog und Austausch erfolgte auf verschiedenen Dimensionen. Die Ideenvielfalt zur Darstellung der deutschen Kultur reichte von Musik, Literatur und Sprachwettbewerben bis hin zu gesellschaftspolitischen Diskussionen und wissenschaftlichen Seminaren. Die "Deutschen Tage in den russischen Regionen" sind eine Veranstaltung, die sich mittlerweile russlandweit verfestigt hat und vor allem in Ufa zu einem Höhepunkt im jährlichen Kulturkalender geworden ist. Die Deutsche Woche - ein Festival und Denkmal für die deutsche Sprache und Kultur.

Julia Hoppe
Mai 2010

Warum heißen wir nicht einfach alle Tatjana??!

Das frage ich mich zumindest an diesem Tage. Wenn man sich auch sonst keine Gedanken über die elterliche Namensgebung macht, so tue ich es heute. Denn wir schreiben heute den 25. Januar, den Tag der Tatjana – Namenstag aller Tatjanas und zeitgleich Feiertag aller Studenten in Russland.

Warum feiern aber alle Studenten Tatjanas Tag?

Die Geschichte begann im frühen 2. und 3. Jahrhundert in Rom. Tatjana – Tochter eines hoch gelobten Römers der damaligen Zeit, der sich heimlich dem christlichen Glauben bekannte - avancierte durch ihre Stärke und ihren Mut, sich öffentlich ihres Glaubens zu stellen nach ihrer Hinrichtung zur „Heiligen Großmärtyrerin Tatjana“. Seit jeher feiert man in Russland den Tag der Heiligen Großmärtyrerin Tatjana. Tatjana zu heißen bringt an besagtem Tage so manchen Vorteil mit sich – einen kostenlosen Frisörbesuch beispielsweise, oder auch kleine Geschenke von Freunden, ein kostenloses Glas Sekt in der Disco und viele Glückwünsche.

Am 25. Januar 1755 unterschrieb die russische Kaiserin Elisaweta (Tochter des Zaren Peter des Großen) einen Erlass zur Gründung der ersten russischen Universität in Moskau. Dieses Datum wurde nicht unbedacht vom Generaladjutant Iwan Schuwalow gewählt – er wollte seiner Mutter Tatjana damit ein Geschenk zum Namenstag machen. Eine Universität zum Namenstag!

Seit dieser Zeit zählt Tatjana als Schutzpatronin aller Studenten. In den Universitäten werden an diesem Tage mit Festtagsreden, Konzerten und Vorstellungen die Studenten geehrt. In den meisten Städten gibt es Gratiseintritte in Diskotheken, Vergünstigungen bei Frisörbesuchen, Gratisgetränke in Bars oder Kinobesuche für den halben Preis für alle Studenten.

Seit dem Jahre 2005 steht der 25. Januar als „Tag der russischen Studentenschaft” dank Wladimir Putin auch offiziell im Kalender.

Also auch ohne Tatjana zu heißen, haben wir Studenten so manches Privileg am 25. Januar…

 

Julia Hoppe
Januar 2010