“Da stand eine Birke auf dem Feld“

In Russland kennen fast alle das Volkslied "Wo pole berjozka stojala" ("Da stand eine Birke auf dem Feld). Als ich diesen Baum vor kurzem in Halle gesehen habe, wollte ich genau dieses Lied singen, vielleicht nur mal ein bisschen anders, da die Birke nicht auf dem Feld sondern auf dem Marktplatz stand. Was hat das alles zu bedeuten?

 

In Deutschland ist es schon zur Tradition geworden vor dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit, einen geschmückten Baum aufzustellen, der als Maibaum bezeichnet wird. In diesem Jahr gibt es eine 15 m hohe, schlanke und schön gewachsene Birke.  Der diesjährige Baum kommt aus dem Stadtwald Dölauer Heide. Was die Maibäume betrifft, so können sie jedes Jahr neu gefällt oder wieder verwendet werden. Zum Beispiel in Ostfriesland wird der Baum, besser gesagt, der Baumstamm für bestimmte Zeit unter Wasser gelagert und danach wieder in den Wald zurück gepflanzt.

Im Rheinland z.B. wird laut der Tradition jährlich eine neue 20-25 m hohe Birke aufgestellt. In Bayern ist es noch interessanter, denn dort ist mit dem Maibaum sogar ein Brauch verbunden. Alle unverheirateten Männer müssen die so genannten Maibäume vor den Haustüren der unverheirateten Frauen  aufstellen, damit zeigen sie ihr Interesse an den Frauen. Die Männer warten dann einen Monat, also bis zum 1. Juni, danach holen sie den von ihnen aufgestellten Baum ab. Wenn aber die Frau ihn mag, so lädt sie ihn zum Essen ein oder schenkt dem Verehrer einen Kasten Bier.

Es ist noch zu betonen, dass es in Ostfriesland noch eine Tradition gibt - Maibaumstehlen zur Walpurgisnacht (Hexennacht), da muss ein unverheirateter Mann die ganze Nacht den Baum bewachen und seine Hand immer am Baum haben. Wenn er seine Pflicht nicht erfüllt, dann wird der Baum gestohlen. Natürlich "helfen" die anderen und machen alles Mögliche, damit der Wächter seinen Posten verlässt.

 

Blumenmarkt in Dresden


Maibaum
Blumenmarkt in Halle

Leider habe ich persönlich nicht gesehen, ob jemand in Halle auf den Maibaum aufgepasst hat oder nicht, aber seit Freitag steht die Birke im Zentrum von Halle, genau zur Eröffnung des Blumenmarkts. In diesem Jahr steht das Aufstellen des Maibaums unter dem Motto "Sport in Olympiajahr 2012". Was noch zu sagen ist, dass 7 Spieler von den "Saale Bulls" und noch 50 Athleten beim Aufstellen der Maibirke geholfen haben. Seitdem steht der Maibaum dort, geschmückt mit bunten Bändern und Girlanden.

Jedes Mal, wenn ich die Birke vorbeilaufe, singe ich "Da stand doch eine Birke auf dem Feld".

Aljona Mironowa

Mai 2014

 

 

Motoball in Halle

 

Jeden Tag suche ich mir in meiner Freizeit einige Veranstaltungen, um mich nicht zu langweiligen. Dabei hilft mir ein Veranstaltungskalender von Halle. Jeden Tag gibt es hier was zu besuchen, zu besichtigen, mitzumachen oder einfach nur zu sehen. Da stieß ich plötzlich auf die „Motoball - Bundeliga“. Klingt nicht schlecht. Obwohl ich kein Mann, sondern eine Frau bin, war es interessant für mich. Die ganze Woche war das Wetter bei uns, was soll ich es sagen, nicht wunderschön- es regnete ab und zu, war trübe, grau und deshalb traurig. Ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass uns jeden Tag das Wetter etwas anderes zeigt. So ein launenhaftes Wetter, wie ein Kind! In Russland ist es selbstverständlich, dass es von Tag zu Tag wärmer oder umgekehrt kälter, wenn es um den Winter geht, wird. Hier ist es aber schwer vorherzusehen, wie es heute sein wird. An einem Tag scheint die Sonne sehr hell, es ist heiß, über 20 Grad und an dem anderen, ist es plötzlich bedeckt und es fängt an zu regnen. Hier in Halle war es schon Sommer und jetzt wieder Frühjahr. Na gut- darüber wollte ich ja gar nicht schreiben. Also, die ganze Woche war es ziemlich frisch, trübe und regnerisch und ich brauchte eine Erfrischung. Da habe ich beschlossen, mir einmal Motoball anzuschauen. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, was hinter diesem Wort „Motoball“ steckt. Ich vermutete, dass es Motorracing oder so was ähnliches war. Dann ging ich ganz entspannt zum Stadion, in dem alles passieren sollte. Eintritt 4 Euro und los geht’s.

 

Der Motoballplatz liegt direkt neben dem Stadion in Halle-Neustadt und deshalb wird die Umgebung auch nicht durch die Geräuschkulisse gestört bzw. wird es nicht zu laut. Es gibt ein abgesperrtes Gelände, zwei Zelte mit zwei Mannschaften und in der Mitte sechs riesige Bälle. Hmmm. Solche Bälle habe ich noch nie gesehen. Das hatte etwas zu bedeuten. Aber was? Wozu sind die hier? Da kommt mir der Gedanke, dass sie hier nicht umsonst liegen. Kleine Jungen, so etwa 11 Jahre alt, bewässern das Gelände. Ein Pfiff ertönt. Die beiden Mannschaften fangen an, auf ihren Motorrädern sitzend, Ball zu spielen.

 

 

Bingo! Dieses Spiel heißt ja nicht umsonst „Motoball“.

 

Wikipedia sagt dazu: „ Motoball ist eine Mannschaftssportart mit dem Ziel, einen 40 cm großen und 1200 g schweren Ball mit dem Fuß und auf einem Motorrad sitzend im gegnerischen Tor zu versenken“. Es ist also eine Art „Fußball auf Motorrädern“. Jetzt ist es mir klar!

 

Ein paar Fakten über Motoball

 

Es ist immer noch umstritten, ob das Spiel erstmals in Frankreich oder in Deutschland und zwar in Dresden erfunden wurde. Manche behaupten, dass es in den USA zum ersten Mal gespielt wurde. Schon 1926 wurde in den USA ein Motofussballpokal ausgetragen. Schon kurze Zeit später spielte man dieses Spiel in Turin, Rom, Mailand, Genua und Bologna. Danach kam es auch nach Deutschland und Österreich.

 

(Quelle: mscpuma.de)

Was dem einen der Fußball ist, ist dem anderen das Motorrad.

 

In jeder Mannschaft dürfen nur 5 Personen gleichzeitig auf dem Feld sein – 4 Spieler und ein Torwart. Das heißt aber nicht, dass nicht noch mehr Personen zur Mannschaft gehören. Denn dazu zählt man noch: 4 Ersatzspieler, 2 Mechaniker, die sich darum kümmern, dass die Motorräder spielbereit sind und nicht verwildern und noch einen Mannschaftsleiter. Das Spiel besteht aus 4 Perioden je 20 Minuten, die durch 10- Minutenpausen unterbrochen werden. Zur Strafe bekommt man grüne und gelbe Karten. Man darf keine Hand verwenden und gegnerische Spieler nur von ballführender Seite angreifen. Falls eine Mannschaft gegen diese Spielregeln verstößt, bekommt die gegnerische Mannschaft einen Elfmeter.

 

Was noch zu betonen wäre: Motoball ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt.

 

In Russland sagt man:“ Der Feige spielt kein Eishockey“ oder „Eishockey ist etwas für harte Kerle“. Hier aber sagt man so was über Motoballspieler.

 

Und wirklich, wenn die Spieler Vollgas geben, das hat was! Man vergisst alles. Von überall hört man das Dröhnen der Motoren.

 

Acht Spieler fahren Hin und Her, um das Tor zu schützen oder umgekehrt, ein Tor zu schießen. Riesige Bälle fliegen vor unseren Augen. Dreck spritzt. Wegen der Sonne ist der Sand bald trocken und wird aus dem Motorradreifen direkt in die Augen geschleudert.

 

 

Ich weiß nicht wie die anderen Zuschauer das erlebt haben, aber ich habe mir immer gewünscht, dass der Ball in meiner Richtung kommt, um alles hautnah zu beobachten. Aber als es wirklich passiert ist, wusste ich nicht was ich machen sollte. Ich war gerade dabei ein Video zu drehen, als ich bemerkte, dass der Ball direkt auf mich zu fliegt… In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich meine Kamera ausschalten soll und den Ball greifen oder einfach weiter filmen sollte. Doch als ich noch darüber nachdachte, war der Ball schon unter meinen Füßen. Alle Spieler waren hier. Wow! Es krachte und knatterte. Sie versuchten den Ball zu nehmen, aber die Gegner waren auch schon dort und setzten alles daran den Ball selbst zu nehmen. Alle waren ganz tief ins Spiel versunken und hatten alles um sich herum vergessen. Und wieder dieses Heulen der Motoren.

 

Zurzeit gehören der Bundesliga, die sich in eine Nord- und eine Südliga teilt, 15 Mannschaften an. Die vier besten Mannschaften aus beiden Ligen treffen sich am Ende der Saison in den Play-offs, um danach den deutschen Meister auszuspielen. Das Spiel, das ich besucht habe, war ein Spiel zwischen dem 1.MBC 70/90 Halle und MSF Tornado Kierspe. Halle hat leider mit 1:5 verloren. Das ist aber nicht so schlimm. Zum Vergleich: der 1.MSC Mörsch hat gegen MSC Taifun Mörsch gespielt und mit 18:1 verloren. Es war aber erst der 2. Spieltag der Motoball - Bundesliga 2014.

 

Viel Erfolg in dieser Saison, Hallenser!

 

Aljona Mironowa

April 2014

 

 

Narren in Halle!

An diesen Tagen war Halle gar nicht wieder zu erkennen. Es gab überall laute und zum tanzen anregende Musik, obwohl es in Halle gewöhnlich sehr ruhig ist. Viele Menschen, die tanzten, lachten und sich freuten. Das alles lag am Rosenmontag. Was ist eigentlich der Rosenmontag?

 

Es gibt zahlreiche Legenden oder Theorien warum Rosenmontag „Rosenmontag“ heißt: einige sagen, dass man mit der Bezeichnung „Rosen“ gar nichts die Blume meint, sondern umgekehrt es vom Verb „rasen“ abstammt– was „lustig sein“ oder sogar „toben“ bedeutet. So ist es der Tag, an dem man sich vergnügt, amüsiert und tobt; eine andere Theorie erklärt alles mit den Reformen der Fastnacht des 19 Jahrhunderts. Im Rahmen dieser Reform wurde 1823 ein Komitee in Köln gegründet, welches die Aufgabe hatte den Karneval geordnet ablaufen zu lassen. Die Versammlung fand genau am Montag nach dem dritten Sonntag (es ist noch zu betonen, dass dieser Sonntag genau „Rosenmontag“ hieß, denn an diesem Tag weihte der Papst eine goldene Rose und überreichte diese einer verdienten Persönlichkeit“)statt. Das Komitee hieß danach „Rosenmontagsgesellschaft“.


Heutzutage gibt es Karnevalsumzug. Der erste Karnevalsumzug fand 1824 in Köln statt und wurde damals als „Halbfasten“ gefeiert. Seit der Zeit findet dieses, wie manche sagen Narrenfest, jedes Jahr statt. Man feiert es kurz vor der Fastenzeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch. Am Aschermittwoch ist es noch erlaubt sämtliche Genüsse des Lebens, besonders Fleisch auszukosten, denn bald kommt Fastenzeit und man wird nur an Leckerbissen denken und sie (wer weiß) sogar vermissen. Wie man sagt: „Es durfte nach Herzenslust gegessen, gesungen und gefeiert werden“. An diesem Tag herrscht die Atmosphäre der Narrenpossen. Man zieht sich verschiedenste Narrenkleidung an, bereitet verschiedene geschmückte Motivwagen  mit politischen oder sportlichen Motiven vor. Es ist selbstverständlich, dass die größten Karnevalsumzüge in Köln, Düsseldorf und Mainz stattfinden, aber dieses Jahr wurde in Halle auch einer der größten Rosenmontagsumzüge aller Zeiten veranstaltet. 

Um Punkt 12 Uhr am 3. März fing eine Prozession von Narren, Cartoonhelden und Tänzer ihre spektakuläre Aktion an. Dies Jahr geschah alles unter dem Motte „Unsere Deiche halten“. Die Prozession wurde vom Prinzenpaar Matthias I. und Heike I. angeführt.

Am Karnevalumzug nahmen  33 Vereine teil! Das war wahnsinnig viel sogar für Halle. So was fand zum ersten Mal statt. 48 Wagen, darunter sind  31 Festwagen, 11 Kleintransporter, 18 Pkw und 2 Kleinbusse zu bemerken, 20 Prinzenpaare, 2 Spielmannszüge, 6 Fanclubs, 2 Firmen – eine neue Musikformation und noch eine die Jungen Liberalen, 145 Fußgruppen. Wahnsinn!

Insgesamt gab es 1 400 Teilnehmer, 300 mehr im Vergleich zum vorigen Jahr. Alle Teilnehmer marschierten fünf Kilometer, dabei sangen sie, stellten ihre Vereine vor, warfen Bonbons, buntes Wurfwerk und Kamelle. Es gab sehr viele Kinder, die alle Süßigkeiten gesammelt haben. Sehr viele Teilnehmer, die mitmarschierten, gaben den kleinen Kindern, die noch in ihren Kinderwagen saßen, Bonbons, Ausmalbücher oder sogar Teddys. Manche Mütter zeigten sogar ihre Kinderwagen oder Tüten in die Richtung, in die all diese Sachen geworfen wurden, und zeigten damit, dass sie erst vor kurzem gekommen waren und ihre Kinder auch was bekommen wollten. Dabei lachten alle. Obwohl die Teilnehmer Narren waren, waren sie auch klug. Das Landesprinzenpaar Daniel I. und Claudia I. und ihr „Gesinde“ gaben an allen Rosen. Ich persönlich bekam keine, obwohl ich auch ein trauriges Gesicht machte und meinen Wunsch eine Rose zu haben zeigte. Ach Schade! Statt einer Rose, bekam ich immer Konfetti oder Wurfwerk. Na ja, besser als Nichts. Ich wusste bisher nicht über so eine Tradition und war nur mit einer ganz kleinen Tasche angekommen. Obwohl sie nicht so viel Platz bietet, war sie ganz voll mit Bonbons, Lutschbonbons, Kaugummis, kleiner Schokolade, M&S und allem Möglichen. Meine Mitbewohnerin wusste darüber natürlich mehr und bereitete sich sehr tüchtig vor. Also sie kam mit einer großen Tüte nach Hause, die ganz voll war. In der Küche liegen immer noch Süßigkeiten. Laut Stadtangaben wurden an diesem Tag sechseinhalb Tonnen Wurfwerk und Bonbons ausgegeben.


 Ein Verein übertraf alle, es war Lansberger Malzfabrik. Was denken Sie, liebe Leser, war das Wunderschönste? Der Verein gab Bier aus! Zahlreiche Menschen strebten zu dem Bier. Schade, dass ich gar kein Bier trinke. Meine Freunde wundern sich, wie kann es überhaupt sein, dass ich in Deutschland, in einem der besten Bierländern bin und diese Möglichkeit das echte deutsche Bier zutrinken gar nicht nutze. Na ja, das passiert manchmal.

Es ist aber nicht zufällig, dass so viele Vereine mitgemacht haben. Manche davon haben einen besonderen Grund dafür, z.B der Höhnstedter und der hallesche Karnevalsverein „Rot-Weiß“ feierten ihr sechsjähriges Bestehen. Der Nienburger Carnevals Club und der Carneval Club Obhausen – ihr 35 jähriges Jubiläum und ihre Freunde aus  den Wettiner  und den Brachwitzer Jecken – 30 jähriges. Herzliche  Glückwunsche!

 

 

In Halle wurden keine politische Themen umgespielt, wie z.B. in Düsseldorf, wo die Motto-Wagen im Ruf standen, sich besonders spöttisch mit aktuellen politischen Themen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr wurden dort Angela Merkel, Russland Präsident Putin, Papst Franziskus und US-Präsident Obama sehr stark auf die Schippen genommen.

 

Trotz alledem war dieser Umzug in Halle für mich

was Besonderes, denn so was sehe ich zum ersten

Mal und ich hoffe, dass nächstes Jahr noch mehr

Menschen daran teilnehmen werden und wie Volker

Rosenau, ein der Jecken sagt: „ es wäre klasse,

wenn sich die Besucher des Rosenmontags kostümieren“.

Lassen Sie sich kostümieren, liebe Hallenser, und machen Sie weiter mit!

 

Aljona Mironova

März 2014

 

 

 

Über Kultur, Persönlichkeit und Wunder

Alia Kuvatova ist eine junge und begabte Modedesignerin. Wir haben sie bei der Präsentation ihrer Kollektion «Bollywood» kennengelernt und wurden sehr überrascht, wie sich die Geschichte und Kultur der Partnerstädte Ufa und Halle im Schicksal und Schaffen eines Menschen einprägen können.
Seitdem ist nur wenig Zeit vergangen, aber Alia arbeitet schon an einem neuen Projekt. In ihrem Kopf drängen sich tausende Ideen und jedes neue Wort kann zum Anlass von etwas Genialem werden. Und jetzt wird es «Das gute Stück»!

Alia Kuwatowa: Wir bereiten eine Männerkollektion vor, ein klassischer Mantel wird zur Grundlage. Es ist ein Kleidungsstück, das man wirklich für eine der Hauptsachen in jeder Garderobe hält und von Generation zu Generation weitergibt. Und die Geschichte einer Sache kann in irgendwelchen Ornamenten, Stoffstrukturen und Kleidungsteilen widergespiegelt sein. Immerhin ist die nationale Tracht so einzigartig und schick, dass man sie unbedingt auf dem Podium zeigen soll, um sie für unsere Kinder aufzubewahren. Ich sammle nun Informationen über die baschkirische Tracht. Und, ehrlich gesagt, mit Hängen und Würgen. Es stellte sich heraus, dass wir keine Bücher und sogar keine Broschüren zu diesem Thema haben. In Ufa konnte man mir maximal die Werbekataloge eines Ateliers und die Ausstellung der nationalen Anzüge im Heimatkundemuseum anbieten. Und für meine Arbeit braucht man viel mehr Information: die Geschichte, die Bedeutung dieser oder jener Ornamente oder einer Farbe und Fassons. Meine Kollegin im Projekt und ehemalige Kommilitonin Cornelia Ohlendorf kann hingegen das Buch von der Geschichte der deutschen Nationaltracht aufmachen und dort alles finden. Sie verwundert sich übrigens darüber, dass es bei uns keine solche Bücher gibt.

Baschkirienheute: Was löste solch ein Interesse an einer unverwechselbaren Volkskultur aus?

Alia Kuwatowa: Während meines Praktikums in London hat man mich einmal nach der nationalen baschkirischen Tracht gefragt. Natürlich erinnerte ich mich an unsere Mütze, gestickte Lederstiefel ... Aber es durchzuckte mich, dass ich fast nichts von der Geschichte des Anzugs wußte. Und konnte unsere Kleidungstraditionen überhaupt nicht rühmen. Seit dieser Zeit suche ich nach den Wegen der Popularisierung der Volkstrachten. Schließlich trug man sie nicht umsonst jahrhundertelang.

Baschkirienheute: Es ist sehr interessant, was für Ergebnisse Sie bekommen! Wann planen Sie mit dieser Arbeit fertig zu sein?

Alia Kuwatowa: Das interessiert mich auch, denn das Projekt existiert bisher nur auf dem Niveau der Idee. Wir denken gründlich darüber nach, was wir machen und wie wir es machen. Wir wählen den Stoff aus. Aber wir richten uns auf Ende. April aus. Zu dieser Zeit muss bei uns alles fertig sein: die Kunststiftung Sachsen-Anhalt will mit unserer Modenschau ihr neues Haus eröffnen.

Baschkirienheute: Bedeutet es, dass das Komplizierteste noch kommt?

Alia Kuwatowa: Das Schwerste ist eine Idee zu finden. Wir haben schon sowohl sie als auch den Zuschuss für ihre Realisierung. Jetzt ist alles im besten Gange. „Am Anfang war das Wort…!“ Und aller Anfang ist schwer, es ist kompliziert dieses Wort zu finden. Deshalb krallt man sich im Gespräch um jeden interessanten Gedanken. Ein Wort gibt ein anderes. Die Idee vom Bollywood ist mir, zum Beispiel, gerade so eingefallen. Meine Freunde erzählten stolz von ihrer Sammlung der indischen Filme, mein Mann und ich sahen sie uns an. Das Sujet ließ sich später ganz von selbst erfinden. Das ist interessant, dass «das indische Kino» als ein kulturelles Phänomen mit der Zeit immer populärer wurde. Es war Zeitgeist, glaube ich. Und er schwebte in der Luft.

Baschkirienheute: Und welcher Teil Ihres Schaffens begeistert Sie am meisten?

Alia Kuwatowa: Ich weiß nicht, wahrscheinlich der Prozess selbst. Das ist ein Wunder! Zuerst gab es nichts, später erschien das Wort. Es wurde dann zu den Ideen und Gestalten. Und plötzlich hat man eine ganze fertige Kollektion vor sich. Da du die ersten Muster selbst machst, genießt du unbeschränkt jede Naht. Das Schaffen ist der Moment, der "Hier und Jetzt» heißt. Alles hängt davon ab, wie man seine Gestalt in dieser Minute deutet. Ein Schritt nach links und ein Schritt nach rechts nennt man hier Kreativität, es gibt keine Kontrolle. Ja, man kann sich mit jemandem in einer beliebigen Etappe beraten lassen, aber was du machst, spiegelt dich persönlich wider. Deshalb gönnt man sich keine Entspannung, stülpt seine Seele nach außen... Und es ist später erstaunlich, wie stark das Ergebnis deiner Arbeit der Idee nicht ähnlich ist oder dem ersten Einfall nicht entspricht. Auf jeden Fall, der ganze Prozess — vom Anfang und bis zum Ende — ist ein Wunder!

Baschkirienheute: Und wie viel solche Wunder haben Sie schon gemacht?

Alia Kuwatowa: Während des Studiums machten wir regelmäßig Sammlungen, die aus fünf oder sechs Modellen bestanden. Jedesmal bekamen wir ein neues Thema — eins für alle und wir arbeiteten in diesen Rahmen. Zum Beispiel „Schwarz und Weiß“, „Schottisch kariert“, „die Diva auf der Titanic“, „Hippodrom„ und andere. Ich habe zwei große Kollektionen: „Eskimo“ (wegen der Muster hat die Jugend sie „ Doktor House“ benannt) und noch „Bollywood“. Und jetzt bereiten wir „Das gute Stück“ vor.

Baschkirienheute: Und wird es wiederum eine kreative Zusammenarbeit?

Alia Kuwatowa: Für mich ist das Designertandem in der Arbeit ein großes Experiment. Und für Cornelia ist es auch zum ersten Mal. Wenn ich vorher mit jemandem zusammen arbeitete, hatte jeder seine eigenen Pflichten. Und jetzt schmoren wir im eigenen Saft und denken an dieselben Probleme. Aber im Erfolgsfall denken wir wohl darüber nach, ein eigenes Label zu machen.

Baschkirienheute: Was inspiriert Sie?

Alia Kuwatowa: Eine Reise ist eine gute Quelle der Begeisterung. Es lohnt sich einfach von der Alltäglichkeit weg zu gehen und in ein anderes Leben, eine andere Kultur einzutauchen. Ab und zu sitze ich in irgendeiner Stadt in einem Café und „meine" Kollektion geht vorbei. Die Engländer, zum Beispiel, mischen Kleidungsstücke sehr gern, sie benutzen keine fertigen Kombinationen. Aber so macht man es in Paris seltener. Man hängt alle Kleider von der Schaufensterpuppe ab. Das sieht natürlich schick aus, aber das sind doch fremde Ideen: jemand hat es schon erdacht, jemand hat es schon vorgeführt... Ich bin noch nie in Italien gewesen Es hat mir in Spanien und Portugal gefallen und ich möchte gern nach Japan fahren. Sie schaffen dort etwas unvorstellbares! Und es gibt Eigenständigkeit und Originalität in ihrer Garderobe. Es ist schade, dass die Russen so etwas kaum können. Die Mehrheit will in Russland ähnlich sein: ebensolche Uhren, Mäntel, Schuhe. Obwohl dieselbe Kombination der Kleidung derselben Marken nicht denselben Erfolg bringen muss oder guten Geschmack gewährt. Dein Aussehen ist deine Persönlichkeit.
Und die Kollektion des Designers ist sein persönliches Thema, seine Seele und seine Kultur. Man muss sich lange selbst analysieren, bevor man etwas Interessantes herausfindet. Und ich versuche in erster Linie, sich vom Leben und der Kultur zu abstrahieren, alles detailiert zu erlernen und dann wiederum zu systematisieren, aber alles schon objektiv zu akzeptieren, um über alle Vor- und Nachteile Bescheid zu wissen. Doch es gibt auch solche Besonderheiten, die man nicht loswerden will. Einige Klischees will man sogar bewahren. Warum denn nicht, wenn sie so charmant sind?!

Baschkirienheute: Alia, was fühlen Sie, wenn die ganze Arbeit schon vorbei ist, die Models auf dem Podium stehen und bald Ihr Auftritt ist?

Alia Kuwatowa: Ich erinnere mich an keine Emotionen und keine Gedanken. Im Kopf drängen sich gewöhnlich nur Kleinigkeiten. Aber nichts davon spielt in diesem Moment eine Rolle. Ich weiß, dass ich hundertprozentig gearbeitet habe und anders konnte ich einfach nicht! Und das stellt mich zufrieden! Absolute Katharsis... Ehrlich gesagt, gehe ich in diesem Moment nicht gern auf das Podium raus. Mein größter Wunsch ist, im Zuschauerraum zu sitzen. Die ganze Handlung von da zu sehen ist für den Designer ganz ungewöhnlich. So war es nur einmal, als ich in Halle meine Diplomarbeit vorstellte. Und nie mehr.

Baschkirienheute: Das bedeutet, Ihre Ausbildung haben Sie nicht nur in Ufa, sondern auch in Halle bekommen?

Alia Kuwatowa: Ja. Nach der Schule kam ich nach Ufa um auf die biologische Fakultät zu gehen, weil meine Mutter auch Biologin war. Aber ich habe zu den Studienbewerbern gehört, die unbedingt jemanden retten, etwas erfinden und studieren wollten und ich habe verstanden, dass meine Motivation ungenügend ist. Und die Tante empfahl, auf die technologische Hochschule zu gehen. Und ich folgte dem Rat. Im Technologischen Serviceinstitut Ufa der Staatlichen Akademie für Konsum- und Dienstleistungen förderte man mein Talent für Modedesign. Damals gab es nur Wahlunterricht, jetzt ist es schon ein Fachbereich. Doch es hat mir viel gegeben.
Ich studierte gut und wollte dann sogar in der Wissenschaft bleiben. Ich bestand sogar die Kandidatenprüfungen und fand eine Promotionsstelle bei Professoren in Moskau. Aber mein Mann bekam plötzlich eine Arbeitsstelle in Halle und so musste meine wissenschaftliche Tätigkeit aufhören.
Als ich hier Deutsch lernte, interessierte ich mich für Philologie. Ich hatte schon alle Dokumente für die Bewerbung an der Sprachfakultät vorbereitet, als jemand mir von der halleschen Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design, erzählte. Aus purer Neugierde brachte ich meine Arbeiten aus Ufa dorthin mit und wurde eingeschrieben. Als es sich später herausstellte, gefiel ich meinen Lektoren sehr, die die Studenten sehr anspruchsvoll auswählten: sie bildeten eine kreative Familie. Die Atmosphäre war wirklich sehr gut, vertraulich, obwohl es nicht ohne Konkurrenz ablief. Ich arbeitete in verschiedenen Gruppen und habe viele Menschen kennengelernt. Mit einigen von ihnen bin ich noch befreundet oder arbeite mit ihnen zusammen.

Baschkirienheute: Bedeutet das, dass Sie schon Ihre endgültige Berufung gefunden haben? Und gibt es in dieser Industrie Menschen, die Sie für Lehrer halten; Designer, nach deren Schaffen Sie sich ausrichten?

Alia Kuwatowa: Jedes neue Thema öffnet für mich neue Namen. Früher gefielen mir Japaner in Paris. Mir gefallen auch Vivienne Westwood und Lagerfeld, nicht nur wegen dem, was sie machen, sondern WIE sie es machen! Viktor &Rolf und viele andere...

Baschkirienheute: Wovon träumen Sie?

Alia Kuwatowa: Im Kopf gibt es viele Ideen, ich möchte Kinderkleidung machen. Ich habe eine Tochter und es ist sehr interessant ihre Einstellung zur Kleidung zu beobachten, was und in welcher Farben sie wählt. Es stellt sich heraus, dass die Kinder keine Kleidung in schwarzen und braunen Farben mögen! Man kann gerade mit diesen unbeliebten Farben experimentieren. Allerdings meinte ich immer, dass es unehrlich ist, eine Kinderkollektion anzufertigen – ob gut oder schlecht, sie kommt immer gut an. Die Kinderkleidung ist immer wirtschaftlich nachgefragt, und die Kollektion auf dem Podium wird nicht so kritisiert. Sehen wir mal. Man hat mich darum gebeten, mir etwas für korpulente Damen auszudenken. Ein Sonderthema ist Jugend! Aber jetzt bin ich ganz auf die Männerkollektion konzentriert. Hoffentlich finden wir etwas Gutes dafür!

Julia Baydzhanova, Sofya Kovalenko
August 2010

 

Musik hat uns verbunden

Heiko&Maiko sind Top-DJs. Sie wurden für "Jump auf Tour mit Europcar" mit dem German DJ Award für die beste Radio Sendung ausgezeichnet! Sie sind Autoren von solchen Musikprojekten wie „Techno Rock“, „Sonnenschein“ und „Glücklich“. Der letzte aus dieser Reihe wurde in fünf Weltsprachen (ins Russisch darunter) übersetzt, das Video dazu wurde zum Dauerbrennen in den Hitparaden der weltbekannten Musiksender «MTV» und «VIVA». Als wir sie auf einer Party in Halle kennenlernten, machten wir sofort ein Interview mit diesen DJs. 

Baschkirienheute: Wie viel Jahre arbeiten Sie schon zusammen?

Heiko&Maiko: Drei Millionen! (lachen) Seit 1994 ungefähr…15 Jahre auf jeden Fall.

Baschkirienheute: Wie haben Sie Ihre DJ- Karriere angefangen?

Heiko&Maiko: Das hat schon ganz zeitig angefangen, also praktisch im Jugendalter. Man hat sich dafür in der Schule interessiert: wir machten Musik auf Schulfesten, man betraute uns verantwortungsvolle Aufgaben und von Mal zu Mal wurde man immer besser. Ursprünglich war die Musik für uns nur ein Hobby, aber dann hat diese Zuneigung immer mehr Zeit in Anspruch genommen und ist endlich zum Beruf geworden. Das war ein ganz langer Weg, der 16 - 20 Jahre lang dauerte.

Baschkirienheute: Wie haben Sie Ihr Radio-Projekt in Gang gesetzt?

Heiko&Maiko: Wir haben verschiedene Veranstaltungen gemacht, in Klubs gespielt, große Galas und Messen moderiert, also, alles Mögliche. Da knüpften wir interessante Kontakte an und lernten wir auch Leute vom Radio kennen. Einmal schlug jemand von ihnen vor: „Kommt doch einfach mal her, gucken wir mal, was wir machen können“ und so sind wir dann zum Sputnik gekommen. Und dann wechselten wir zum Radiosender „Jump“.

Baschkirienheute: Und was gefällt Ihnen am meisten an diesem Beruf?

Maiko: Die Musik.

Heiko: Aha (lachen). Auch kostenlose Getränke, kostenlose Hotels, Flüge hin und her (lachen) Also, ehrlich gesagt, am meisten gefällt es uns, Leute mit Musik glücklicher zu machen.

Maiko: Und wir lieben Musik. Falls man damit Geld verdienen kann, was man liebt, ist das doch super. Und man kommt halt wirklich in Gegenden, wo man normalerweise nie hinkommen würde. Zum Beispiel Ufa…oder an den Baikalsee… oder Afghanistan.

Baschkirienheute: Das ist doch gefährlich!

Heiko&Maiko: Ja, jetzt ist es gefährlich, aber als wir dort waren, da ging es grade noch.

Baschkirienheute: Gibt es negative Seiten von Ihrem Beruf?

Heiko: Natürlich. Man hat viel Stress infolge des Schlafdefizits und weil man dauernd unterwegs ist. Überall ist es sehr hektisch. Und du bist solch ein ewiger Pilger, der immer fliegt, Kilometer frisst… Aber trotzdem bist du zu spät im Klub und dort herrscht auch ein wüstes Chaos.

Maiko: Es kann auch passieren, dass der Klub nicht sehr gut ist und die Technik nicht stimmt. Oder die Leute sind Scheiße. Unsere Musik kann manchmal ins Konzept, das der Klubbesitzer verfolgt, nicht recht hineinpassen, und dann ist es dem Publikum nicht klar, was wir eigentlich präsentieren und wie man dazu tanzen soll.

Heiko: Ja! Und nach dieser mühsamen Arbeit muss man wiederum irgendwohin fahren oder ans andere Ende der Welt fliegen. Man wacht mitunter auf und fragt sich selbst: „Wo bin ich?“

Baschkirienheute: Das heißt, dass Sie trotzdem ein bisschen schlafen?

Heiko&Maiko: Wir schlafen uns später aus. Unser Wochenende ist dann Montag und Dienstag. Am Freitag und Samstag sind wir meistens unterwegs und arbeiten.

Baschkirienheute: Wie akzeptieren Ihre Verwandten und Freunde Ihre Lebensweise?

Heiko&Maiko: Schwer, aber mit Geduld. Man kann nächstes Mal nach Hause von einem anderen Kontinent anrufen oder wegen schlechter Verbindung gar nicht telefonieren. Aber wir machen alles Mögliche, um in dieser ewigen DJ-Hektik unsere Verwandten und Freunde nicht zu vergessen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

Baschkirienheute: Und welche Länder haben Sie schon besucht und welche möchten gern besuchen?

Heiko: Also, besucht haben wir schon viele. In den letzten Jahren waren wir vielmals, zum Beispiel, in Russland, Weißrussland, Ukraine. Wir interessieren uns auch für eine andere Richtung. Wir würden gern in andere Länder fahren, wo es, beispielsweise, warm ist.

Maiko: Genau! Brasilien, Portugal, keine Ahnung…Was es da so alles gibt? Ach ja- Amerika, Miami geht auch. Da waren wir noch nie. Aber es kommt noch. (lachen)

Baschkirienheute: Und welches Land der Ostregion gefällt Ihnen am meisten?

Heiko&Maiko: Ach, das schönste Land ist Russland.

Baschkirienheute: Und welche Stadt?

Heiko&Maiko: Das kann man so nicht sagen. Die russische Partykultur im Großen und Ganzen gefällt uns.

Baschkirienheute: Womit denn?

Heiko&Maiko: Ihr habt selbst gesehen, was hier in Halle passiert. Es interessiert keinen Menschen, was für Musik gespielt wird. Die Deutschen gehen lieber zu irgendeiner abgefuckten 80er-Jahre-Party statt eine neue, gute Musik zu hören. Auch wenn sie kommen, dann stehen sie eher herum, trinken ihre Cola und wackeln mal mit dem Kopf. Wenn man in Russland in einem Klub ist, da wird halt gefeiert! Und wir, DJs, sind sehr froh diese positive Reaktion zu sehen, dass die Leute unsere Musik hören, verstehen und drauf reagieren.

Baschkirienheute: Und wie wählen Sie den Ort, die Stadt, wo Sie auftreten werden?

Heiko&Maiko: Wir wählen aber keine Stadt…

Baschkirienheute: Wer denn?

Heiko&Maiko: Eher wählt die Stadt uns. Also, wir gehen da nicht hin und sagen: “Wir wollen heute in Moskau oder Ufa spielen“, sondern andersrum, die Leute aus Ufa sagen: “Wir wollen Heiko&Maiko haben!“

Baschkirienheute: Und wie finden diese Menschen Sie?

Heiko&Maiko: Sie finden uns…im Internet, glaube ich. Ihr Interesse für uns erweckt unsere Musik, die sie in den Klubs von Moskau, Sotchi oder in was-weiß-ich-wo hören und beschließen dann: „Das gefällt uns, diese beiden möchten wir mal persönlich sehen“. Dann surfen sie im Internet und suchen nach den Links auf uns. Das ist so einfach heutzutage: man gibt in der Suchzeile „Heiko&Maiko“ ein. Man findet die Seite mit allen Telefonnummern und Adressen und buchen unser Auftreten. Dann rufen sie unsere Agentur an und sagen: „ Wir wollen das Konzert von diesen DJs“. Die Agentur bestimmt Einzelheiten und da haben wir ein neues Konzert!

Baschkirienheute: Arbeiten Sie non-stop während irgendwelcher Feiertage? In Russland verdienen die Künstler ganz viel zum Silvesterfeier, man nennt diese gewinnbringende Zeit „Silvesterfieber“.

Heiko&Maiko: In Deutschland ist es schwerer. Die Klubbesitzer entweder machen den Klub zu oder laden keine Celebrities ein. Das Publikum kommt sowieso zu Silvester. Die Leute kommen in den Klub nicht, weil Heiko&Maiko dort spielen, sondern weil wir traditionell Silvester, im Unterschied zu Weihnachten, nicht zu Hause feiern. Und die Klubbesitzer sparen ihr Geld, sie profitieren mehr, wenn sie uns zwei Wochen später, im Januar, einladen.

Baschkirienheute: Und geben Sie auch Wohltätigkeitskonzerte?

Maiko: Hm…Haben wir schon solch ein Konzert gemacht?

Heiko: «Stars for free». Na ja, aber das war nicht wirklich wohltätig.

Maiko: Nee?

Heiko: Nein! (lachen)

Maiko: Okay, aber ich dachte, dass man damals keinen Eintritt bezahlt hatte.

Heiko: Wohltätig ist, wenn du es jemandem spendest, der es braucht.

Maiko: Gut. Das bedeutet, dass wir dazu noch nicht gekommen sind. (lachen) Wenn es solch eine Möglichkeit gibt, würden wir es natürlich machen. Aber bis jetzt hatten wir noch keine Chance…

Baschkirienheute: Die nächste Frage kann ziemlich provokativ sein, aber wer ist der Führer in Ihrem Tandem?

Maiko: Er!

Heiko: Ich! (lachen). Wir dachten darüber eigentlich nie nach. Wir arbeiten immer zusammen. Jeder hat seine eigenen Pflichte. Etwas macht Maiko besser, in etwas anderem bin ich Profi. Zwischen uns herrscht Harmonie.

Baschkirienheute: Woran arbeiten Sie jetzt?

Heiko&Maiko: Wir suchen permanent etwas Neues. Wir haben gerade eine neue Single vor einer Woche produziert. Es wird noch einige Zeit anstehen, bevor diese Single überall bekannt wird, in den Charts höher steigt, Leute beginnen sie zu kaufen. Es ist jetzt die Zeit, an einem anderen Track zu arbeiten. In den nächsten Wochen, wenn das möglich wird, hocken wir im Studio und tauchen ins Schaffen.

Baschkirienheute: Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? Was werden Sie tun, wenn Sie, zum Beispiel, 50 Jahre alt sind.

Heiko&Maiko: Ach, das ist schon bald. (lachen) Es ändert sich, wahrscheinlich, nicht so viel. Wir setzen unsere Musikkarriere fort.

Baschkirienheute: Gute Ansichten. Und die letzte Frage. Geben Sie oft Interview?

Heiko: In Russland- immer. Und hier, zu Hause ist das das erste Interview seit langer Zeit.

Maiko: Und das sind Frauen aus Russland!

Baschkirienheute: Wir bedanken uns bei Ihnen für ein interessantes Gespräch. Hoffentlich, sehen wir Sie in einem Klub wieder. Wir wünschen Ihnen einen kreativen Erfolg!

Heiko&Maiko: Wir treffen uns bestimmt noch mehrmals!

Julia Baydzhanova, Sofya Kovalenko
August 2010